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Archiv für die Kategorie ‘olamo!’

Herr hilf

In heiter, lulando, olamo! on 28/05/2008 at 12:23

Der Herr war etwas ratlos. Da hatte er nun gar wundersam die welt erschaffen, sie mit allerlei grünzeug und tierzeug gefüllt, dem manne leben eingehaucht, ihm eine frau zur seite gestellt, dann alle paar jahrhunderte seine vorstellungen über menschliche lebensführung auf verfügbaren unterlagen festhalten lassen, manchmal eher kurz, dann wieder länger, eine vaterschaft wurde ihm nachgesagt – allerdings verhütete die Römische administration schlimmeres – und zu guter letzt sollte er das alles dann zum letzten mal via erz-engel-express diktiert haben: allein es half nichts.

Man war unzufrieden.

Eine ungenau gefaßte produkthaftung wie gewährleistung führte zu intensiver nutzung der bewährten form der klärung dieser angelegenheiten, dem gebet, und der teil seiner erhabenen Unvorstellbarkeit, der sich den ohne unterlaß eingehenden bitten, fürbitten und lobpreisungen (wenige) widmen mußte, trat in regen selbstkontakt mit sich selbst – ein vorgang, der trinitätsgläubigen leichter zugänglich ist – und beschloß, die zeit eine weile ruhen zu lassen, alle menschen zu laden und ihnen gelegenheit zu geben, die ohne unterlaß vorgebrachten sorgen und probleme an eine riesige mauer zu heften, sich einen tag im garten Eden aller bedrängnisse ledig zu vergnügen – keine sorge: ganz im leib aber latürnich ohne lust.

Anschließend war eine jede seele aufgerufen, sich an der göttlichen pinwand die sorgen und probleme zu suchen, die ihr am besten zusagten. Man schwebte also und untersuchte, wog ab, verglich, erkundete und spekulierte und doch, am ende, als der Große Spaßmacher bereit war, die zeit wieder einzusetzen und den schleier des vergessens über die gewährte pause zu legen, griffen alle wieder zu den widernissen, die gegenstand ihrer fortlaufenden beschwerden gewesen waren und die sie anfangs glaubten loswerden zu wollen.

wie es so geschieht

In lol, lulando, olamo! on 24/05/2008 at 3:39

Deutsche mögen recht & ordnung. So nähern wir uns der wirklichkeit an und glauben dennoch, ein minimum an kontrolle darüber aufrechterhalten zu können. Nun ja. Wir erinnern uns an den Hauptmann von Köpenick, jenen erfinderischen ex-sträfling, der als Preußischer offizier diese Deutsche neigung sich zu nutze machte. Heute, mehr als einhundert jahre später wird sichtbar, daß uns solches immer noch wert und teuer ist. Es folgt eine wahre geschichte.

Ein gewisser junger Matthias Irgendwie war in einer leidenschaftlichen unterhaltung mit seinen eltern befaßt und fand sich so sehr unterschiedlicher meinung, daß er sich zu befriedung der situation die doch überraschende freiheit erlaubte, das leben seiner gesprächspartner gewaltsam zu beenden – gleichsam als ausgleich für ihre unverschämte frechheit. Allerdings erkannte er nach drei wochen intensiven nachdenkens und meditation über das geschehene das fehlerhafte seines handelns, die schändlichkeit seines charakters und gewissensbisse in seiner seele. Er beschloß, sich den behörden zu stellen, stapelte die olfaktorisch auffälligen leichen in der scheune des elterlichen hofes und machte sich voller reue auf den schweren weg zur nächsten polizeistation.

Dort angekommen trat er ein, stellte sich dem wachhabenden beamten vor, tat zweck und ziel seines hierseins kund, berichtete gar von dem ärgerlichen zwischenfall, der seine eltern nunmehr an der weiteren glücklichen verfolgung etwaiger lebenspläne hinderte, sprach sogar fast melodramatisch von „mord“, nur um alsbald zu erfahren, daß eben jene polizeistation, die er zum schauplatz seines geständnisses erkoren hatte, nicht zuständig war, nicht zuständig für diese art von verbrechen, und man gab ihm in der folge und in zu erwartender, vollständiger beachtung der gesetzeslage und ausführungsvorschrift, die fraglos ohne frage zu befolgen war, die korrekte und vollständige adresse der nächsten polizeiwache, die sich mit der verhaftung eines geständigen mörders wohl befassen mochte.

Sodann wurde er mit freundlichen grüßen verabschiedet.

Deutschland, Anno Domini MMVII

Manche sachen ändern sich einfach nicht.

Der Ursprung der Religionen

In lulando, olamo! on 23/05/2008 at 2:50

Es war einmal – ja eigentlich schon davor – ein berühmter Lehrer, der unterrichtete die Kunst der Meditation. Er hatte ein kleines kätzchen, das es sich zur gewohnheit gemacht hatte, während der meditation in seinem schoß zu ruhen, wo es ohne unterlaß schnurrte und schnurrte und schnurrte…

Natürlich ließ die Verwirklichte Heiligkeit des Meisters von solcherlei sich auf dem wege zum Ursprung nicht stören, hingegen nahmen seine schüler anstoß an dem eintönig sich wiederholenden geräusch.

Manche schlossen sich der katze an, andere schliefen ein und so trat der älteste jünger vor den Meister und bat mit respekt: „Herr, wir bitten Dich in aller demut: entferne die katze während der meditationszeit. Zu sehr ist sie uns eine ablenkung.“

Das Große Herz des Liebenden Meisters floß über vor mitgefühl und er befahl als neue Regel, daß die katze während der meditationszeiten am küchentische festzubinden sei. Ein seufzer ging durch die versammlung und von nun an, wenn die jünger in meditation sich versuchten, band man des Meisters katze am küchentische fest.

Jahre friedvoller, stiller übung folgten, die katze starb und wurde durch eine andere ersetzt, der Regel des Meisters wegen eingefangen und während der stunden der andacht am küchentische festgebunden.

Als endlich dann der Lehrer mit der Quelle sich vereinigte, betrachtete es sein nachfolger als Heilige Pflicht, den Regeln des Meisters wörtlich zu folgen und jede einzelne zeile an die nachwelt weiterzureichen. Die katze wurde während der meditationszeiten am küchentische festgebunden.

So nimmt es dann nun auch nicht weiter wunder, daß einige jahrhunderte später hunderte und aber hundete schriften auftauchten, über „Das Anbinden der Katze – seine Bedeutung und sein Einfluß auf die Gottesfurcht des Schülers.“

Das ist der ursprung der religionen.

(c) 2008 – alle rechte reserviert

Ja – Nein

In lol, olamo! on 21/10/2006 at 12:05

„Du siehst aber schlecht aus – kannst Du nicht schlafen?“

„Ja – nein, aber ich träume die ganze zeit, daß ich nicht einschlafen kann…“