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Archive for the ‘lulando’ Category

Tatsachen

In lulando on 10/01/2009 at 3:21

Rolf Verleger,vormals Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde in Schleswig-Holstein, kritisiert die Bemerkungen der Bundeskanzlerin Merkel über Israels gegenwärtige Militäraktion gegen das palästinensische Volk als allzu einfach. Nur die Hamas verantwortlich zu machen reflektiere nicht die sehr komplexe historische Entwicklung der Situation. Er stellt vier Fragen:

  1. Keiner seiner Großeltern überlebte den Nazi Holocaust. Gab diese Tatsache den jüdischen Freischärlern und der Jüdischen Armee in 1947/48 das Recht, hunderttausende Araber aus Israel zu vertreiben?
  2. Die deutschen Nazis enteigneten sein Urgroßvater in Berlin. Gab dies Tatsache dem Staate Israel das Recht, den Besitz der vertriebenen Araber zu konfiszieren?
  3. Alle seine Onkel und Tanten wurden von der SS ermordet. Gibt diese Tatsache dem Staate Israel das Recht, seit 40 Jahren eine diktatorische Besatzung über das palästinensiche Volk auszuüben?
  4. Seine Großmutter Hannah wurde erschossen, weil sie den Judenstern nicht trug. Gibt diese Tatsache dem Staate Israel das Recht, das Volk von Gaza auszuhungern und zu bombardieren?

„Allgemein: Gibt die Tatsache, dass wir europäischen Juden Opfer eines großen Unrechts wurden, dem jüdischen Staat vor Gott und den Menschen das Recht, nun anderen Unrecht zu tun? Das ist doch die Frage. Und da macht es sich Frau Merkel ein bisschen einfach, wenn sie sagt, Israel hat immer Recht.“

Auch vergleicht er die Blockade von Gaza mit der von Sarajevo 1990 und erklärt, die dafür verantwortlichen Führer habe man in Den Haag als Kriegsverbrecher verurteilt.

„Das Judentum hieß mal „die Religion der tätigen Nächstenliebe“, ja? Das glaubt mir doch kein Mensch mehr, wenn ich das heute sage. Heute ist das Judentum eine Religion, die Landnahme und die Unterdrückung der Araber rechtfertigt. Das kann doch nicht wahr sein!“

(Auszug aus einem Interview im Deutschlandfunk, 29.12.2008

Herr hilf

In heiter, lulando, olamo! on 28/05/2008 at 12:23

Der Herr war etwas ratlos. Da hatte er nun gar wundersam die welt erschaffen, sie mit allerlei grünzeug und tierzeug gefüllt, dem manne leben eingehaucht, ihm eine frau zur seite gestellt, dann alle paar jahrhunderte seine vorstellungen über menschliche lebensführung auf verfügbaren unterlagen festhalten lassen, manchmal eher kurz, dann wieder länger, eine vaterschaft wurde ihm nachgesagt – allerdings verhütete die Römische administration schlimmeres – und zu guter letzt sollte er das alles dann zum letzten mal via erz-engel-express diktiert haben: allein es half nichts.

Man war unzufrieden.

Eine ungenau gefaßte produkthaftung wie gewährleistung führte zu intensiver nutzung der bewährten form der klärung dieser angelegenheiten, dem gebet, und der teil seiner erhabenen Unvorstellbarkeit, der sich den ohne unterlaß eingehenden bitten, fürbitten und lobpreisungen (wenige) widmen mußte, trat in regen selbstkontakt mit sich selbst – ein vorgang, der trinitätsgläubigen leichter zugänglich ist – und beschloß, die zeit eine weile ruhen zu lassen, alle menschen zu laden und ihnen gelegenheit zu geben, die ohne unterlaß vorgebrachten sorgen und probleme an eine riesige mauer zu heften, sich einen tag im garten Eden aller bedrängnisse ledig zu vergnügen – keine sorge: ganz im leib aber latürnich ohne lust.

Anschließend war eine jede seele aufgerufen, sich an der göttlichen pinwand die sorgen und probleme zu suchen, die ihr am besten zusagten. Man schwebte also und untersuchte, wog ab, verglich, erkundete und spekulierte und doch, am ende, als der Große Spaßmacher bereit war, die zeit wieder einzusetzen und den schleier des vergessens über die gewährte pause zu legen, griffen alle wieder zu den widernissen, die gegenstand ihrer fortlaufenden beschwerden gewesen waren und die sie anfangs glaubten loswerden zu wollen.

wie es so geschieht

In lol, lulando, olamo! on 24/05/2008 at 3:39

Deutsche mögen recht & ordnung. So nähern wir uns der wirklichkeit an und glauben dennoch, ein minimum an kontrolle darüber aufrechterhalten zu können. Nun ja. Wir erinnern uns an den Hauptmann von Köpenick, jenen erfinderischen ex-sträfling, der als Preußischer offizier diese Deutsche neigung sich zu nutze machte. Heute, mehr als einhundert jahre später wird sichtbar, daß uns solches immer noch wert und teuer ist. Es folgt eine wahre geschichte.

Ein gewisser junger Matthias Irgendwie war in einer leidenschaftlichen unterhaltung mit seinen eltern befaßt und fand sich so sehr unterschiedlicher meinung, daß er sich zu befriedung der situation die doch überraschende freiheit erlaubte, das leben seiner gesprächspartner gewaltsam zu beenden – gleichsam als ausgleich für ihre unverschämte frechheit. Allerdings erkannte er nach drei wochen intensiven nachdenkens und meditation über das geschehene das fehlerhafte seines handelns, die schändlichkeit seines charakters und gewissensbisse in seiner seele. Er beschloß, sich den behörden zu stellen, stapelte die olfaktorisch auffälligen leichen in der scheune des elterlichen hofes und machte sich voller reue auf den schweren weg zur nächsten polizeistation.

Dort angekommen trat er ein, stellte sich dem wachhabenden beamten vor, tat zweck und ziel seines hierseins kund, berichtete gar von dem ärgerlichen zwischenfall, der seine eltern nunmehr an der weiteren glücklichen verfolgung etwaiger lebenspläne hinderte, sprach sogar fast melodramatisch von „mord“, nur um alsbald zu erfahren, daß eben jene polizeistation, die er zum schauplatz seines geständnisses erkoren hatte, nicht zuständig war, nicht zuständig für diese art von verbrechen, und man gab ihm in der folge und in zu erwartender, vollständiger beachtung der gesetzeslage und ausführungsvorschrift, die fraglos ohne frage zu befolgen war, die korrekte und vollständige adresse der nächsten polizeiwache, die sich mit der verhaftung eines geständigen mörders wohl befassen mochte.

Sodann wurde er mit freundlichen grüßen verabschiedet.

Deutschland, Anno Domini MMVII

Manche sachen ändern sich einfach nicht.

Der Ursprung der Religionen

In lulando, olamo! on 23/05/2008 at 2:50

Es war einmal – ja eigentlich schon davor – ein berühmter Lehrer, der unterrichtete die Kunst der Meditation. Er hatte ein kleines kätzchen, das es sich zur gewohnheit gemacht hatte, während der meditation in seinem schoß zu ruhen, wo es ohne unterlaß schnurrte und schnurrte und schnurrte…

Natürlich ließ die Verwirklichte Heiligkeit des Meisters von solcherlei sich auf dem wege zum Ursprung nicht stören, hingegen nahmen seine schüler anstoß an dem eintönig sich wiederholenden geräusch.

Manche schlossen sich der katze an, andere schliefen ein und so trat der älteste jünger vor den Meister und bat mit respekt: „Herr, wir bitten Dich in aller demut: entferne die katze während der meditationszeit. Zu sehr ist sie uns eine ablenkung.“

Das Große Herz des Liebenden Meisters floß über vor mitgefühl und er befahl als neue Regel, daß die katze während der meditationszeiten am küchentische festzubinden sei. Ein seufzer ging durch die versammlung und von nun an, wenn die jünger in meditation sich versuchten, band man des Meisters katze am küchentische fest.

Jahre friedvoller, stiller übung folgten, die katze starb und wurde durch eine andere ersetzt, der Regel des Meisters wegen eingefangen und während der stunden der andacht am küchentische festgebunden.

Als endlich dann der Lehrer mit der Quelle sich vereinigte, betrachtete es sein nachfolger als Heilige Pflicht, den Regeln des Meisters wörtlich zu folgen und jede einzelne zeile an die nachwelt weiterzureichen. Die katze wurde während der meditationszeiten am küchentische festgebunden.

So nimmt es dann nun auch nicht weiter wunder, daß einige jahrhunderte später hunderte und aber hundete schriften auftauchten, über „Das Anbinden der Katze – seine Bedeutung und sein Einfluß auf die Gottesfurcht des Schülers.“

Das ist der ursprung der religionen.

(c) 2008 – alle rechte reserviert

zum muttertag

In lol, lulando on 23/05/2008 at 1:51

Liebe Mutter, hör’ mir zu, denn es ist wahr,
ein braver Junge war ich Jahr um Jahr.
Wie auch mein Bruder dort vor jener Wand,
Du hast ihn sicher schon erkannt.

Und lass mich sagen hier und jetzt,
was klar und froh durch meine sinne wetzt:
die beste Mutter bist Du für ihn und mich,
Herzallerliebstes Mütterlein, wir lieben Dich!.

Nun sei umarmt und wisse gleich,
wir sind an Deiner Liebe reich;
doch wollest neben solchen Herzensgaben
uns mal um mal mit Süßem laben…

Und nimm von uns im Gegenzug dafür
von meinem Bruder dort, jetzt an der Tür,
und mir als freies schönes Muß
‘nen dicken, fetten Kuß!

(c) 2008 – alle rechte reserviert

das werk der wahrheit

In lulando on 16/10/2007 at 10:55

So leicht trennt wahrheit
die spreu vom weizen.
Ihr nahen schon
bewirkt das werk.
Was schwer ist und
von bedeutung
sinkt zum
tennengrund.
Was leicht ist und
was eitel,
verweht der wind.

(c) 2007 – alle rechte reserviert