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Archive for Mai 2008

Der Anfang menschlichen Lebens

In heiter, lol on 30/05/2008 at 3:48

Drei theologen betrachten die frage, wann menschliches leben beginnt.

Der protestantische Pfarrer: „Nun, in dem moment, da der fötus tatsächlich alleine außerhalb des mutterleibes selbständig atmen kann, da beginnt das menschliche leben.“

Der katholische Pastor: „Du irrst, Bruder, du irrst. Wann immer eine männliche menschliche seele im verlangen nach einer weiblichen menschlichen seele sich ausdehnt und beide damit beginnen, den akt der fortpflanzung zu erwägen, das ist der moment, da menschliches leben beginnt.“

Sagt der Rebbe: „Falsch, Brüder, falsch. Wenn die kinder das haus verlassen, das ist der moment, da das menschliche leben wirklich beginnt.“

Der Schwan

In heiter, lol on 28/05/2008 at 4:55

Heiß. Es ist sehr heiß. Kleiner see in gleißender mittagshitze. Grüner frosch auf blatt, seerose, sonnenschirm, rote badehose. Eine dünne stimme, dünn, durchdringlich wie eine trillerpfeife: „Ich bin ein schwan. Ich!bin!ein!schwan!“

Eine ente, verstört, irritiert. Schaut in die richtung der stimme, erblickt frosch, schwimmt näher, umkreist den amphibienpeter, bunter sonnenschirm, grünes blatt und ebensolcher frosch. Rote badehose. Ente taucht unter das blatt. Kein schwan.

Taucht auf, fängt an zu lachen und prustet: „Nie und nimmer. Du bist kein schwan, du bist’n frosch!“

Frosch öffnet augen, stellt mai tai ab, zieht mit den daumen die rote badehose bis zu den knien runter und sacht: „Guck!“

Guckt die ente mit großen augen und staunt: „Mein lieber Schwan!“

Herr hilf

In heiter, lulando, olamo! on 28/05/2008 at 12:23

Der Herr war etwas ratlos. Da hatte er nun gar wundersam die welt erschaffen, sie mit allerlei grünzeug und tierzeug gefüllt, dem manne leben eingehaucht, ihm eine frau zur seite gestellt, dann alle paar jahrhunderte seine vorstellungen über menschliche lebensführung auf verfügbaren unterlagen festhalten lassen, manchmal eher kurz, dann wieder länger, eine vaterschaft wurde ihm nachgesagt – allerdings verhütete die Römische administration schlimmeres – und zu guter letzt sollte er das alles dann zum letzten mal via erz-engel-express diktiert haben: allein es half nichts.

Man war unzufrieden.

Eine ungenau gefaßte produkthaftung wie gewährleistung führte zu intensiver nutzung der bewährten form der klärung dieser angelegenheiten, dem gebet, und der teil seiner erhabenen Unvorstellbarkeit, der sich den ohne unterlaß eingehenden bitten, fürbitten und lobpreisungen (wenige) widmen mußte, trat in regen selbstkontakt mit sich selbst – ein vorgang, der trinitätsgläubigen leichter zugänglich ist – und beschloß, die zeit eine weile ruhen zu lassen, alle menschen zu laden und ihnen gelegenheit zu geben, die ohne unterlaß vorgebrachten sorgen und probleme an eine riesige mauer zu heften, sich einen tag im garten Eden aller bedrängnisse ledig zu vergnügen – keine sorge: ganz im leib aber latürnich ohne lust.

Anschließend war eine jede seele aufgerufen, sich an der göttlichen pinwand die sorgen und probleme zu suchen, die ihr am besten zusagten. Man schwebte also und untersuchte, wog ab, verglich, erkundete und spekulierte und doch, am ende, als der Große Spaßmacher bereit war, die zeit wieder einzusetzen und den schleier des vergessens über die gewährte pause zu legen, griffen alle wieder zu den widernissen, die gegenstand ihrer fortlaufenden beschwerden gewesen waren und die sie anfangs glaubten loswerden zu wollen.

Du und ich

In heiter, lol on 26/05/2008 at 11:59

Ein elephant machte seinen weg durch den urwald. Er erreichte eine schlucht, über deren tiefe eine marode hängebrücke gespannt war. In vorsichtiger, erfahrener beurteilung der sachlage entschied er, daß die brücke wohl gerade noch stark genug wäre, um sein gewicht zu tragen und machte den ersten schritt, als im letzten moment ein floh in sein ohr sprang. Behutsam überquerte der pachyderm das wackelige gebilde. Auf der anderen seite sicher angekommen, verließ der floh den elephanten und rief:

„Die ham’wa aber mächtig zum wackeln gebracht, Du und ich!“

So isses

In heiter on 25/05/2008 at 6:13

Man war nun wer. Die Müllers hatten durch eine wirkungsvolle mischung von gier und fleiß ein nicht unbeträchtliches vermögen erwirtschaftet, das im letzten jahr durch eine unverhoffte erbschaft auf einen schlag verdoppelt wurde und sie so in den stand versetzte, von jetzt auf gleich sozusagen, „dazu“ zu gehören. Vom geld her konnte man nun leicht mithalten, umgangsformen waren gegenstand täglicher unterweisung durch die strenge haushälterin und ihren ehemann. Allein der mangel an bildung und lebensart war nicht zu übersehen und um in diesem gebiet dennoch kurzfristig erste fortschritte zu erzielen, beschlossen Gerlinde und Eberhardt Müller, dem Golfclub beizutreten und mittels umfangreicher einzelstunden in diesem sport sich hinlänglich hervorzutun.

Nach einigen monaten der unterweisung und übung waren sie nun zum ersten male alleine auf dem rasen. Ein mächtiger schlag des gatten brachte sie in gefährliche nähe einer grandiosen villa mit riesigen glasfassaden. Ohne zu zögern und ohne die mahnung seiner frau zu beachten, setzte Eberhardt zum nächsten schlag an, traf jedoch eher ungefähr den ball, aber krachend und schmetternd eines der großen fenster und war entsetzt.

Nicht über den schaden, denn der war ohne weiteres bezahlbar, jetzt, da…, nein, wegen der blamage, wegen des fehlschlags. Doch es half nichts, die angelegenheit mußte geregelt werden und so machten sich Gerlinde und Eberhard auf, fanden eine offene tür und traten ein in das größte zimmer, das sie je gesehen hatten. Im raume verteilt lagen die splitter des zerbrochenen fensters. Auf dem tisch inmitten der scherben einer zerbrochenen, alten tonflasche erblickten die zerknirrschten Müllers den schuldigen golfball und auf einer chaise longue an der wand einen fast nackten, nur mit einem blauen handtuch bekleideten mann.

Die vorbereitete entschuldigung blieb ungehört stecken, als sie hörten, wie der handtuchträger sie überschwenglich begrüßte:

„Willkommen.“ Er blieb sitzen. „Willkommen und vielen, herzlichen dank. Ich bin ein jinn – “ Eberhardt schaute Gerlinde an „und Ihr habt mich befreit. Drei wünsche muß ich Euch gewähren, wählt jetzt!“

Diese wende traf sie unvorbereitet. Man war erleichtert, der blamage entgangen zu sein, erfreut über die günstige gelegenheit, aber wie Gerlinde so treffend feststellte: „Wir hamm doch alles…“ Der Jinn in seinem blauen handtuch wollte helfen, doch Eberhardt begann: „Vielleicht, eine wohnung in jeder großen stadt der welt.“ Zufrieden lächelte der Jinn Eberhardt an und sprach entschieden und freundlich: „Gewährt!“ Gerlinde war so geistesgegenwärtig, für das notwendige personal zu sorgen.

„Gewährt!“ Der Jinn murmelte scheu. „Wenn Ihr erlaubt, es ist sehr ungewöhnlich, aber ich bitte Euch: zwei wünsche schon hab ich erfüllt und wenn es Euch beliebt, schenkt mir den dritten!“

Gerlinde sah Eberhardt und Eberhardt sah Gerlinde. Großzügigkeit, ja, dankbarkeit war das gebot der stunde und sie erklärten sich einverstanden. Der jinn stand auf, machte ein, zwei schritte auf Eberhardt zu, berührte ihn leicht am arm und deutete mit einer kopfbewegung auf die scherben: „Weißt Du – ich war zweitausend jahre in dieser flasche. Allein. Ich würde sehr, sehr gerne“ und hier faßte er Gerlindes hand „mit Deiner frau eine halbe stunde nach oben gehen, falls Du verstehst…“

Gerlinde sah Eberhardt und Eberhardt sah Gerlinde. Erneut entwickelten sich die dinge schneller, als sie es gewohnt waren. Sie nahmen ein gewisses gefühl der verpflichtung wahr, und unter berücksichtigung der erhaltenen schätze und der im übrigen angenehmen und sympathischen erscheinung der märchengestalt nebst handtuch stimmten sie zu. Gerlinde ab. Jinn auch ab.

Eine halbe stunde später sitzt der mann sehr entspannt am kopfende seines bettes. Sanft hält er Gerlindes hand, zieht sie an sich, gibt ihr einen dicken, letzten kuss und sagt:

„Es ist schon erstaunlich, was menschen alles glauben.“

wie es so geschieht

In lol, lulando, olamo! on 24/05/2008 at 3:39

Deutsche mögen recht & ordnung. So nähern wir uns der wirklichkeit an und glauben dennoch, ein minimum an kontrolle darüber aufrechterhalten zu können. Nun ja. Wir erinnern uns an den Hauptmann von Köpenick, jenen erfinderischen ex-sträfling, der als Preußischer offizier diese Deutsche neigung sich zu nutze machte. Heute, mehr als einhundert jahre später wird sichtbar, daß uns solches immer noch wert und teuer ist. Es folgt eine wahre geschichte.

Ein gewisser junger Matthias Irgendwie war in einer leidenschaftlichen unterhaltung mit seinen eltern befaßt und fand sich so sehr unterschiedlicher meinung, daß er sich zu befriedung der situation die doch überraschende freiheit erlaubte, das leben seiner gesprächspartner gewaltsam zu beenden – gleichsam als ausgleich für ihre unverschämte frechheit. Allerdings erkannte er nach drei wochen intensiven nachdenkens und meditation über das geschehene das fehlerhafte seines handelns, die schändlichkeit seines charakters und gewissensbisse in seiner seele. Er beschloß, sich den behörden zu stellen, stapelte die olfaktorisch auffälligen leichen in der scheune des elterlichen hofes und machte sich voller reue auf den schweren weg zur nächsten polizeistation.

Dort angekommen trat er ein, stellte sich dem wachhabenden beamten vor, tat zweck und ziel seines hierseins kund, berichtete gar von dem ärgerlichen zwischenfall, der seine eltern nunmehr an der weiteren glücklichen verfolgung etwaiger lebenspläne hinderte, sprach sogar fast melodramatisch von „mord“, nur um alsbald zu erfahren, daß eben jene polizeistation, die er zum schauplatz seines geständnisses erkoren hatte, nicht zuständig war, nicht zuständig für diese art von verbrechen, und man gab ihm in der folge und in zu erwartender, vollständiger beachtung der gesetzeslage und ausführungsvorschrift, die fraglos ohne frage zu befolgen war, die korrekte und vollständige adresse der nächsten polizeiwache, die sich mit der verhaftung eines geständigen mörders wohl befassen mochte.

Sodann wurde er mit freundlichen grüßen verabschiedet.

Deutschland, Anno Domini MMVII

Manche sachen ändern sich einfach nicht.

Der Ursprung der Religionen

In lulando, olamo! on 23/05/2008 at 2:50

Es war einmal – ja eigentlich schon davor – ein berühmter Lehrer, der unterrichtete die Kunst der Meditation. Er hatte ein kleines kätzchen, das es sich zur gewohnheit gemacht hatte, während der meditation in seinem schoß zu ruhen, wo es ohne unterlaß schnurrte und schnurrte und schnurrte…

Natürlich ließ die Verwirklichte Heiligkeit des Meisters von solcherlei sich auf dem wege zum Ursprung nicht stören, hingegen nahmen seine schüler anstoß an dem eintönig sich wiederholenden geräusch.

Manche schlossen sich der katze an, andere schliefen ein und so trat der älteste jünger vor den Meister und bat mit respekt: „Herr, wir bitten Dich in aller demut: entferne die katze während der meditationszeit. Zu sehr ist sie uns eine ablenkung.“

Das Große Herz des Liebenden Meisters floß über vor mitgefühl und er befahl als neue Regel, daß die katze während der meditationszeiten am küchentische festzubinden sei. Ein seufzer ging durch die versammlung und von nun an, wenn die jünger in meditation sich versuchten, band man des Meisters katze am küchentische fest.

Jahre friedvoller, stiller übung folgten, die katze starb und wurde durch eine andere ersetzt, der Regel des Meisters wegen eingefangen und während der stunden der andacht am küchentische festgebunden.

Als endlich dann der Lehrer mit der Quelle sich vereinigte, betrachtete es sein nachfolger als Heilige Pflicht, den Regeln des Meisters wörtlich zu folgen und jede einzelne zeile an die nachwelt weiterzureichen. Die katze wurde während der meditationszeiten am küchentische festgebunden.

So nimmt es dann nun auch nicht weiter wunder, daß einige jahrhunderte später hunderte und aber hundete schriften auftauchten, über „Das Anbinden der Katze – seine Bedeutung und sein Einfluß auf die Gottesfurcht des Schülers.“

Das ist der ursprung der religionen.

(c) 2008 – alle rechte reserviert

zum muttertag

In lol, lulando on 23/05/2008 at 1:51

Liebe Mutter, hör’ mir zu, denn es ist wahr,
ein braver Junge war ich Jahr um Jahr.
Wie auch mein Bruder dort vor jener Wand,
Du hast ihn sicher schon erkannt.

Und lass mich sagen hier und jetzt,
was klar und froh durch meine sinne wetzt:
die beste Mutter bist Du für ihn und mich,
Herzallerliebstes Mütterlein, wir lieben Dich!.

Nun sei umarmt und wisse gleich,
wir sind an Deiner Liebe reich;
doch wollest neben solchen Herzensgaben
uns mal um mal mit Süßem laben…

Und nimm von uns im Gegenzug dafür
von meinem Bruder dort, jetzt an der Tür,
und mir als freies schönes Muß
‘nen dicken, fetten Kuß!

(c) 2008 – alle rechte reserviert